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Kalkofen

restaurierter Kalkofen

Der vom Heimat- und Kulturverein restaurierte Kalkofen gehört zu einer Reihe von Kalköfen, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Hargarten entstanden sind. Kalk wurde sowohl zum Hausbau als auch in der Landwirtschaft gebraucht. Die in den nahen Kalksteinbrüchen gebrochenen Steine wurden mit Pferdefuhrwerken zu den Kalköfen gebracht. Dort wurden sie in faustgrosse Brocken zerschlagen und anschliessend in die trichterförmig nach unten verlaufenden Kalköfen eingefuellt. Dies geschah schichtweise, d.h. eine Schicht wechselte sich mit einer Schicht glühenden Materials ab. Das war zunächst Holzkohle, später Koks, den man von Dillingen herbeischaffte. Je nach Füllmenge dauerte es mehrere Tage, bis aus dem rohen Kalkstein der Branntkalk geworden war.

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Bei der Anlage des Hargarter Kalkofens bevorzugte man die mit Sandsteinen gemauerte und in einen Abhang gebaute Trichterform, um das Gewicht der Ofenfüllung zu einem nicht unerheblichen Teil seitlich auf die Ofenwandung zu verlagern. Die Hanglage ermoeglicht eine ebenerdige Füllung und auch eine ebenerdige Ausleerung des Kalkofens. Der Kalkofen mit einer Gesamthöhe von 2,50 m besteht aus zwei Kammern: der oberen grossen Brennkammer (Ofensohle ca. 1,00 m und Ofenmündung ca. 2,00 m Durchmesser) und der unteren Luftkammer. Die untere Luftkammer, durch ein Mundloch einsehbar, dient lediglich der Luftzufuhr. Die Brennkammer wird sowohl mit Brennstoff als auch mit Kalksteinen gefüllt. Sie verfügt über ein Fassungsvermögen von ca. 4 Kubikmetern.

Mann-im-Kalkofen

“Mann im Kalkowen”

Vor dem Füllen der Brennkammer setzte man oberhalb des Mundlochs Wagenachsen oder Bandeisen als Rost ein. Auf den Rost warf man Stroh und Reisig. Danach stieg der Kalkbrenner auf einer Leiter in den Ofenschacht, ordnete Stroh und Reisig und legte Holzscheite darauf. Auf sein Geheiss schütteten Helfer Koks (früher Steinkohle), der eine hohe Temperatur erreicht, in den Schacht. Danach brachten sie in Körben Kalksteine, die vorher auf eine Korngrösse von 10 bis 30 cm zerkleinert wurden, und leerten sie vorsichtig aus. Der Kalkbrenner stand während der gesamten Füllung des Schachtes im Ofen und setzte die Steine sorgfältig aufeinander. Er ordnete Brennstoff und Brenngut schichtweise aufeinander. (Fielen Steine unkontrolliert herab und drohten ihn zu verletzten, dann tobte er "wie e Mann im Kalkowen"!) Die Kunst des Kalkbrennens bestand darin, die richtige Mischung von Brenngut (Kalksteine) und Brennstoff (Koks) zu finden.

Bei günstiger Witterung wurden Stroh und Reisig vom Kalkbrenner durch das Mundloch angezündet. Das Feuer frass sich von unten nach oben durch, vorangetrieben durch die meh oder minder starke Luftströmung und die Sogwirkung der heissen Ofenluft. Eine auf die Füllung nun ausgebreitete Sand- oder Lehmschicht sorgte für ein gleichmässiges Erhitzen der Kalksteine. Bei einer Temperatur von 900 - 1200 Grad sollten die Kalksteine nur durchglühen, um eine optimale Ausbeute des Branntkalkes zu erreichen. Der Brandvorgang dauerte, je nach Grösse des Ofens, mehrere Tage.

Nach der vollständigen Abkuehlung ( 1-2 Tage ) wurde der Ofen von unten entleert. Man entfernte vorsichtig den Eisenrost, so dass die gebrannten Kalksteine nach und nach auf die Ofensohle herabfielen und die Beschickung nach unten rutschte. Die noch festsitzende Fuellung wurde durch Stossen in Bewegung gebracht. Pferdefuhrwerke transportierten den gebrannten Stückkalk zu Abnehmern, die ihn zum Hausbau, zum Wandanstrich und zum Düngen benötigten.

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freigelegter Kalkofen 1997

Das Ablöschen des Branntkalkes erfolgte in einer Wanne oder in Löschgruben, in "Sumben". Um den Branntkalk nicht zu "ersäufen", musste auf die richtige Wassermenge geachtet werden. Das Wasser drang mit Macht in den porösen Ätzkalk und verdrängte geräuschvoll die Luft. Bei dem Umwandlungsprozess entwickelte sich eine hohe Wassertemperatur.

Kalksteine werden also nicht gebrannt, sondern durchgluehen ab der oben erwaehnten Temperatur von 900 Grad Celsius. Dabei wird dem Kalkstein ( Calciumcarbonat = CaCO3) Kohlendioxid (= CO2) entzogen. Bei der Zersetzung entsteht Branntkalk (Calciumoxid = CaO). Wird der Branntkalk "geloescht", also mit Wasser begossen, entsteht Loeschkalk (Calciumhydroxid= Ca(OH)2). Um Moertel fuer den Hasubau herzustellen, vermischt man Sand und Loeschkalk im Verhaeltnis 3:1 mit Wasser. Trocknet der Moertel, gibt er wieder Wasser ab und nimmt gleichzeitig Kohlendioxid aus der Luft auf. Aus dem Bindemittel Moertel wird so wieder Kalkstein: der Kalkkreislauf: Stein wird wieder zu Stein!

Der Heimat- und Kulturverein hat im alten Merziger Weg 1997 einen ehemaligen Kalkbrennofen restauriert. Im Sommer 2002 fanden Brennertage statt, bei denen Kalk nach der alten Methode gebrannt wurde.

Das Know-how des Heimat- und Kulturvereins ist inzwischen auf bundesweites Interesse gestoßen. So hat die Limburger Bauhandwerks-Innung den Hargarter Kalkofen als Vorbild für einen eigenen Nachbau genommen. Mehr dazu auf der folgenden Seite!

Kalkofen winterfest gemacht

Am letzten Wochenende des Septembers 2015 trafen sich einige Vorstandsmitglieder und heimatliebende Mitbürger, um noch vor dem Winter dringende Unterhaltungsarbeiten rund um den Kalkofen zu erledigen.
Der Kalkofen wurde im Innenbereich gereinigt, Abgrenzungsstangen um den Kalkofen wurden erneuert und das Kreuz und dort aufgestellte historische Grenzsteine gesäubert. Ein das Kreuz und die vorbeiführende Straße gefährdender Baum wurde entfernt, weitere kleinere Bäume ,Sträucher und Hecken wurden geschnitten, die morschen Holzpfähle des Außenzauns erneuert und die Bretter mit Holzlasur winterfest gemacht. Das gesamte Gelände um den Kalkofen wurde so wieder in einen vorzeigbaren Zustand gebracht.

Drei Bäume zur Erinnerung an die Hargarter Kalkbrenner

Auf dem Kalkofengelände musste der Bauhof der Gemeinde Beckingen drei morsche Weidenbäume entfernen. Dies nahm der Heimat- und Kulturverein zum Anlass eine Ersatzpflanzung zu Ehren der damaligen Hargarter Kalkbrenner bei der Gemeinde, die Pächterin dieses Geländes ist, zu beantragen. Forstwirt Jürgen Schmal und der Naturschutzbeauftragte Winfried Minninger empfahlen einen Kastanienbaum, einen Nussbaum und eine Linde neu zu pflanzen.
Am Sonntagmorgen, dem 24. April 2016, folgte ein kleiner Wintereinbruch dem frühlingshaften Wetter der Vortage; es war wieder empfindlich kalt und kühl, jedoch blieb der Schnee oder Regen erfreulicherweise aus. - Jedoch wegen des Arbeitsaufwandes pflanzten einige Vereinsmitglieder den Kastanien-und Nussbaum bereits zwei Tage vorher.-So kamen am Sonntagmorgen zahlreiche Besucher, Freunde und Gönner des Vereins in angemessener Kleidung, um der Lindenbaumpflanzung beizuwohnen.
Vorsitzender Helmut Lubitz ging in seiner Begrüßung besonders auf die Restaurierung dieses Kalkbrennofens ein, der 1996/97 als einer der sechs Kalkbrennöfen in diesem Bereich mit Unterstützung des Maurermeisters Norbert Neisius wieder runderneuert ans Tageslicht geriet. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Kalkbrennen eine bedeutende Erwerbsquelle für die Hargarter; es gab bis zu 14 Kalkbrennöfen in Hargarten. Wie der Vorsitzende weiter ausführte, waren die Kalkbrenntage im Juni 2002 die Gelegenheit, den „letzten“ Kalkbrennern Josef Rein und Emil Reiber, der inzwischen verstorben ist, beim Kalkbrennen zuzusehen, denn sie hatten in jungen Jahren mit ihren Familien noch dieses Handwerk ausgeübt. Das mit dem Kalkbrennen verbundene Fest fand damals große Resonanz über die Kreisgrenzen hinaus.
Zur Erinnerung an alle ehemaligen Kalkbrenner in Hargarten legte sodann Josef Rein symbolisch unter Beifall der Besucher eine Urkunde dem Wurzelwerke der Linde bei. Lobenswerte Worte für die Arbeit des Heimat- und Kulturvereins fanden der 1. Beigeordnete der Gemeinde Daniel Minas und der Naturschutzbeauftragte Winfried Minninger.
Anschließend lud der Heimat- und Kulturverein noch alle Besucher zu einem Frühschoppen bei Freibier und Lyoner ein.


Text und Fotos: H.Lubitz

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