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Koteletten braten am "Kalten Mittwoch"

Der Brauch und seine Geschichte

"Koteletten-Braten" am einstigen gesetzlichen Feiertag "Buß- und Bettag", am sogenannten "Kalten Mittwoch", hat in der Hochwaldregion eine lange Tradition. Sie geht wohl auf die Holzkohleproduktion für die Mettlacher Keramikindustrie zurück. Damals bewachten Köhler wochenlang die in den Wäldern angelegten Meiler und garten sich in der Glut auch ihr Essen. Der "Kalte Mittwoch" wiederum erinnert an den äußert strengen Winter 1709, in dem viele Waldtiere erfroren und die Saar komplett zugefroren war. Ihm folgte zudem eine Dürreperiode, während der viele Menschen verhungerten. Die Kirche führte daraufhin am "Kalten Mittwoch" eine Bannprozession durch, um dafür zu beten, dass solche Naturkatastrophen künftig nicht mehr eintreten. Von 1934 bis 1994 war der "Kalte Mittwoch" in ganz Deutschland ein Feiertag. Er wurde am Mittwoch vor dem 23. November begangen. Viele, vor allem junge, Nordsaarländerinnen und -saarländer zogen mit dem "Ziehwähnchen" in den Wald, um in nasses Zeitungspapier eingewickelte Koteletten in der Glut eines selbst entfachten Feuers zu braten. Der dabei entstandene Durst wurde mit ausreichend vorhandenen Getränken gelöscht, das Feuer nach oftmals vielen Stunden dann mit Wasser oder Walderde. Nach der Abschaffung des gesetzlichen Feiertags, geriet auch dieser Brauch mehr und mehr in Vergessenheit.

"Wiederbelebung" in 2009

Seit 2009 lädt der Heimat- und Kulturverein Hargarten wieder zum "Koteletten-Braten" ein - mangels Feiertag, an dem auf den "Kalten Mittwoch" folgenden Samstag. Die erste Aktion fand an der Hargarter Wanderhütte statt. Erfreulicherweise fanden sich von Mittag bis zum späten Abend recht viele Besucher ein, ließen sich die hervorragend angefertigten Hargarter Pfannen-Koteletts mit Bratkartoffeln und den "üblichen" Getränken schmecken. Auch das Wetter spielte mit und erlaubte bei milden Temperaturen einen längeren Aufenthalt im Freien. Ein heimisches Lagerfeuer ermöglichte es, auch am Abend noch in der Gemeinschaft zu feiern, zu plaudern und sich zu wärmen.

 

Nach der erfolgreichen Premiere veranstaltete der Heimat- und Kulturverein Hargarten am Samstag, dem 20. November 2010, ein erneutes Koteletten-Essen. Die Veranstaltung fand diesmal aber auf dem Dorfplatz statt, was zur Folge hatte, dass noch mehr Besucher aus nah und fern kamen. Das bewährte Braten-Team schaffte es auch beim zweiten Mal, alle vorbereiteten und herzhaft schmeckenden „Hargarter-Pfannen-Koteletts“ unseres Vereinsmetzgers Wempi mit Bratkartoffeln an die Besucher zu vertreiben. Die Hargarter Dorfjugend betätigte sich als Dorfschenk und auch die „Hargarter Schnapskiste“ unseres Vereinsmitgliedes Gerd Wilbois fand viel Zuspruch. Auch 2010 war der Wettergott den Brauchtumsschützern wohl gesonnen, so dass das Fest wieder als gelungen angesehen werden konnte.

 

2013 war das Wetter relativ kühl und windig. Das hielt die zahlreichen Besucher aber nicht ab - vor allem wohl auch deshalb, weil das "Koteletten-Braten" erstmals in der neuen und warmen "Flachs-Stube" in der Weidentalhalle stattfand. Hier konnten sie gemütlich beisammen sein und die begehrten Koteletts nebst köstlichen Bratkartoffeln und einer Vielzahl von Getränken genießen.

 

 

 


Inzwischen war die Brat-Aktion im November schon fester Bestandteil des Terminkalenders vieler Hargarte geworden. Die routinierte und engagierte "Koteletten-Crew" des Heimat- und Kulturvereins versprach ein verläßliches und schmackhaftes Angebot - auch 2014. Wen wundert's, dass das sonnige und ungewöhnlich milde Wetter die Besucher aus nah und fern in Scharen zur Flachsstube trieb. In zwei riesengroßen Pfannen wurden die Koteletten und die Bratkartoffeln liebevoll zubereitet und den Gästen vor und in der Flachsstube angeboten. Klar, dass auch die Getränke sowie Kaffee nebst Herbstkuchen auf regen Zuspruch stießen.

2015 wurde die Nachfrage so groß, dass die Flachsstube die vielen Gäste fast nicht fassen konnte. Interessanterweise schien gerade das "Schmuddelwetter" für weiteren Erfolg zu sorgen. Die üblichen Samstagsarbeiten rund um Haus und Auto mussten ausfallen, Regen und sogar erste Schneefälle verbannten die Menschen in ihre Wohnstuben...oder lockten sie in die Flachsstube! Und so fanden die traditionellen Koteletten und knusprigen Bratkartoffeln, die die eingespielten Teams in riesengroßen Pfannen "zauberten" reissenden Absatz.Neben den begehrten "Kaltgetränken" hatte der Heimat- und Kulturverein auch für Kaffee und selbstgebackenen "Herbstkuchen" gesorgt (Dank an die Kuchenbäckerinnen für ihre tollen Angebote!).

Zwei Jahre später mussten Besucher gar auf freie Sitzplätze warten. Dafür warteten auf die Gäste nicht nur die obligatorischen Koteletten mit Bratkartoffeln,Getränke und Kuchen sondern auch ein gemütliches Beisammensein. Zur Überraschung aller beehrte die erste Hargarter Fastnachtsprinzessin Wilma I. (Käufer) die hungriger Besucherschar, die beim Fastnachtsumzug 1949 dabei war und eigens aus ihrem Wohnort Ludweiler/Warndt in den früheren Heimatort Hargarten gekommen war. Mit 87 Jahren zeigte sie sich immer noch voller Elan. Beim Kotelettenessen kam es zur Plauderstunde zwischen "Hoheiten": Wilma I. traf den amtierenden Hargarter Fastnachtsprinzen Stefan I. (Jakob) von den „Flachsen“ und konnte sich mit ihm über die Fastnacht von früher und heute austauschen.

Und wieder: ganz traditionell beim Treffen 2018:

Und damit zum vorerst letzten Traditionstreffen.

 

 

Bei gutem Herbstwetter - nicht zu kalt und ohne Regen - setzte der Heimat- und Kulturverein Hargarten die Tradition des Koteletten-Bratens am Samstag nach dem „Kalten Mittwoch“ (23.11.2019) zum 10. Male fort. Schon zur Mittagszeit war in der Flachsstube kein Platz mehr zu bekommen. Die Helfer des Heimat- und Kulturvereins mussten noch schnell die halbe Weidentalhalle mit Tischen und Stühlen herrichten, um den Andrang der Besucher aus nah und fern zu bewältigen. Diese ließen sich Wembi’s (Wilhelm Augustin) Koteletten und Kartoffeln, die die versierten Köche vor der Flachsstube zu einem köstlichen Mahl zubereitet hatten, schmecken. Nach dem traditionellen Kotletten-Essen wartete noch Kaffee und selbstgebackener Kuchen auf die Besucher. Auch durstige Kehlen wurden bis zum frühen Abend von fleißigen Helfern hinter der Theke verwöhnt.

 

Besondere Gäste aus der Nachbarschaft an diesem Nachmittag waren die Mookenbacher Wandergruppe und die Wandergruppe der Altersabteilung der Feuerwehr aus Reimsbach, die jedes Jahr traditionell am Kotelettenbraten teilnehmen.

Der Heimat- und Kulturvereins Hargartenen dankt allen ehrenamtlichen Helfern, die bei der Essenszubereitung, im Service und nicht zuletzt beim Kuchenbacken geholfen haben. Ohne sie könnte der alte Brauch aus früherer Zeiten nicht mehr stattfinden. Für das nächste Jahr rechnet der Heimat- und Kulturverein mit weiter steigenden Besucherzahlen und nochmals steigendem Platzbedarf.

Texte: H.Dewes & H. Lubitz Fotos: H. Lubitz


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