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Die St.Anna-Kapelle

Auf Hargarter Bann gibt es zwar keine große Kirche (die teilt sich Hargarten mit dem Nachbarort Erbringen, auf dessen Gebiet "St. Johannes" steht), aber eine bemerkenswerte Kapelle: St. Anna. Chronisten datieren den ersten Bau auf die Zeit um 1600 n.Chr.. Als Namensgeberin wurde schon vor 400 Jahren die "Heilige Anna" gewählt, die Schutzpatronin der Flachsbauern, Weber*innen und Klöppler*innen.

Was lange währt... - Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten 2020 abgeschlossen

140403aNoch vor wenigen Jahren befand sich die Annakapelle in einem schlechten Zustand. Farbe bröckelte von der Decke ab, feuchte Stellen an den Wänden und der Innenraum war teils schwarz und unansehnlich geworden. St.Anna"Da muss was passieren!", sagte sich der "Heimat- und Kulturverein" und organisierte eine „Kapellentour“. Auf dem Bietzerberg und im Haustadter Tal holten sich viele interessierte Hargarter Anregungen für die Renovierung des Innenraumes der Kapelle. Außerdem kümmerte der Verein sich um finanzielle Unterstützung. 2016 wurden die Arbeiten durch einen Restaurator und Kirchenmaler ausgeführt. Auch die Statuen wurden restauriert. Verputzarbeiten an der Außenfront mussten erfolgen, damit nicht weiter Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindrang.
Nach erfolgreichen Bemühungen um weitere Spenden konnte im Frühjahr 2019 die Kapellenfassade restauriert werden. Auch der 300 Jahre alte Altar erstrahlte im Frühjahr 2019 wieder im neuen Glanz. Der "Heimat- und Kulturverein" dankt den engagierten Unternehmen und insbesondere den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, ohne deren Hilfe die umfangreichen Renovierungsarbeiten nicht möglich gewesen wären.

Zur Geschichte der St.Anna-Kapelle
zusammengestellt von Helmut Lubitz
Die St. Anna Kapelle in Hargarten muss um das Jahr 1600 erbaut worden sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde die Heilige Anna als Schutzpatronin gewählt, weil in Hargarten – dem Namen nach "Flachsgarten" - Flachs angebaut und zu Leinen verarbeitet wurde und die Heilige Anna als besondere Patronin der Flachsanbauer und der häuslichen Weber*innen und Klöppler*innen gilt. Um 1600 war die Verehrung der Heiligen Anna auf ihrem Höhepunkt.
Allerdings wird im bischöflichen Visitationsbereicht von 1652 und 1657 in Hargarten keine Kapelle erwähnt. Möglicherweise war sie im Schreckensjahr 1635 dem 30jährigen Krieg zum Opfer gefallen und nur noch als Ruine vorhanden. Auch die Pestseuche hat möglicherweise in diesen Kriegsjahren in Hargarten gewütet und Opfer gefordert.
In einer Urkunde vom 13.01.1690, in der es um Schulden der Gemeinde gegenüber dem Meyer Matthes geht, ist dann von Bauholz und von Ziegeln der Kapelle die Rede . Um 1700 herum muss die Kapelle wieder aufgebaut worden sein, weil sie erstmals im Visitationsbericht von 1739 genannt wird.
In einem Verzeichnis der Güter und Rechte der Abtei Heilig-Kreuz zu Bouzonville von 1738 ist ein Garten oberhalb der Kapelle erwähnt (wahrscheinlich der heutige Hofgarten).
1760 untersagte der Bischof von Trier die Durchführung von Gottesdiensten am Fest der Heiligen Anna (26. Juli ) wegen "Baufälligkeiten"...
Am 4. Juli 1761 schreibt Pastor Johann Reiplinger von Reimsbach einen Brief an den Amtmann in Siersberg mit der Bitte, dass die Abtei Bouzonville sich dafür einsetzen möge, dass die Klosterherren die Kapelle, die auf dem Grund und Boden ihrer Abtei steht, wieder in einen ordentlichen Zustand versetzen sollten. Eigentümer der Kapelle war damals also wohl die Abtei Bouzonville.123838a
Die vorübergehende Schließung wird dadurch bestätigt, dass die Kapelle in Hargarten im Jahre 1771 neu aufgeführt wird. Im Visitationsbericht von 1773 ist von vielen Prozessionen zur Kapelle in Hargarten die Rede. In der Schulchronik wird berichtet, dass Pfarrer Nikolaus Rhodius, der von 1787 bis 1807 in Reimsbach Pfarrer war, die Pilgerprozessionen wegen 'Unzuträglichkeiten in ihrem Gefolge' untersagt hat ("...all zu sehr dem Spiel und Tanz gehuldigt!")
1802, zur Zeit der Säkularisierung, wurde die Kapelle der Abte i"Heilig Kreuz" in Bouzonville weggenommen und fiel in die Obhut der Zivilgemeinde. Heute ist die Pfarrgemeinde Eigentümerin der Kapelle, die sie für 900 Ffrs von der Zivilgemeinde (zwischen 1802-1815) kaufte.
Die St. Anna Kapelle in Hargarten ist wohl 400 Jahre alt und hat größere bauliche Renovierungen in den Jahren 1700, 1770, 1925 ,1949 und 1954 erfahren. Heute handelt es sich um einen verputzten Saalbau mit Eckquaderung, einem Portal mit kräftigem Dreiecksgiebel, sowie darüber sogenannten Dachreitern.
1985 wurde die Kapelle grundlegend erneuert: das Schieferdach wurde ausgebessert, Dachrinnen und Fallrohre erneuert, die Fundamente und Grundmauern verstärkt und erneuert, die Elektroinstallation der Zeit angepasst, Innen- und Außenputz erneuert. Feuchtigkeit im Deckengewölbe erforderte 2008 eine Dacherneuerung. Die 1876 anlässlich einer Hochzeit an der Kapelle gepflanzte Linde musste 2004 auf Veranlassung des Verwaltungsrates der Pfarrei beseitigt werden, da sie durch ihr Wurzelwerk seit Jahren an den Fundamenten und der Innen- und Außenwand erhebliche Schäden verursacht hatte. 2009 musste die 1839 gegossene St. Anna-Glocke renoviert werden.
In den Jahren 2016-2020 wurde die Kapelle auf Initiative des Heimat- und Kulturvereins Hargarten komplett renoviert; der Pfarrei Reimsbach entstanden dabei keine Kosten. 2016 erfolgte die Innenrenovierung der Kapelle durch Restaurator Frank Neumann aus St. Wendel (19.09.-03.11.2016). Die Wände und das Deckengewölbe wurden neu gestrichen und die Heiligenfiguren (hl. Josef, hl. Barbara Grablegung Jesu) restauriert. Auch die Gipsfigur der hl. Anna über dem Eingangsportal wurde von Hobby-Töpferin Christel Kammer aus Hargarten liebevoll hergerichtet. 2019 wurde die Außenfassade der Kapelle errneuert. Ausbesserungen im Mauerputz erfolgten unentgeltlich durch Stuckateur Robert Kuhn aus Reimsbach und Hilmar Britz aus Rissenthal. Den Außenanstrich nahm Maler Martin Boley aus Bietzen vor ( 30.03.- 30.04.2019 ). 2020 wurde schließlich der 300 Jahre alte 4 Meter hohe Hochaltar und das St. Anna-Bild durch Restaurator Frank Neumann aus St. Wendel restauriert ( 04.05.-19.06.2020 ).
Nicht nur der neu gestaltete St. Anna-Hochaltar sondern die ganze St. Anna Kapelle erstrahlt nun in neuem Glanz und schönstem Aussehen.Den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und vor allem dem Organisator dieser Restaurierung, dem 2. Vorsitzenden des "Heimat- und Kulturvereins", Herbert Dewes, zollt der Verein Anerkennung und Dank. Die gesamte Maßnahme von 2016-2020 kostete rund 40 000 Euro, die durch Spenden aufgebracht wurden. Spender waren u.a. Gemeinde Beckingen, Sparkasse Merzig-Wadern, Sparda-Bank, Saar-Toto, Hargarter Vereine ("Frauengemeinschaft", "Obst- u. Gartenbauverein", "Heimat- u. Kulturverein" ). Daneben gab es Erlöse aus Vereinsveranstaltungen und viele private Spender. "Stolz kann man sein, aus eigener Kraft in einem kleinen Dorf - wie Hargarten - dies vollbracht zu haben", so der 1. Vorsitzende Helmut Lubitz.


Zur Chronologie der "Renovierungsarbeiten"


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