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Ansichtssachen - Dorfchronik

In dieser Rubrik stellen wir in unregelmäßigen Abständen Hargarter Themen, Orte und Bräuche vor.


175 Jahre Bürgermeisterei - auch Hargarten war dabei  und feierte mit

Unter dem Titel „175 Jahre Bürgermeisterei – Beckingen im Wandel der Zeit“ feierte die Gemeinde Beckingen vor 30 Jahren in der Deutschherrenhalle den Festauftakt zum Jubiläum. Wie eine Perlenkette umschloss die Ausstellung „Die Gemeindebezirke stellen sich vor“ den Festakt, so die SZ in ihrer Ausgabe vom 3.11.19.91.
Hargarten reihte sich in diese „ Perlenkette“ mit ein.  
Feier1Hargarter Frauen und Männer hatten mit viel Engagement und Arbeit ein Bühnenbild gebaut und mit Gegenständen, Arbeits- und Haushaltsgeräten von anno dazumal eingerichtet. Bild2Die Kleider wurden selbst genäht. Verschiedene Tätigkeiten aus dem seinerzeitigen Arbeitsleben wurden vorgeführt.  Man sang Küchenlieder,  einstudiert und musikalisch begleitet von Heike Kruchten am Klavier. Und so bekam der Hargarter Beitrag zum Fest viel Lob und Anerkennung durch die zahlreichen Besucher. Viele Akteurinnen auf den Fotos sind zwischenzeitlich verstorben. Ihnen soll dieser „Blick in die Dorfchronik“ zum Andenken sein.


Landfrauen führten Tänze auf
Bild 3Auch die Tanzgruppe Bild4der Landfrauen beteiligte sich am Festprogramm in der Deutschherrenhalle mit verschiedenen Tanzvorführungen und leistete somit auch einen Beitrag zum Fest seitens unseres Dorfes. Es ist auch zu erwähnen, dass die Tanzgruppe seinerzeit bei vielen Festen und öffentlichen Veranstaltungen in Hargarten mitwirkten und damit die Vereins- und Dorfgemeinschaft unterstützten.


Dorffahne, Ortswappen und Repräsentationsgeschenke

Dorffahne Fahne
An Kirmesmontag 1991 (also vor 30 Jahren) wurde im Rahmen der Hl. Anna-Messe in der Kapelle die „Hargarter Dorffahne“ gesegnet.  Sie war zur Präsentation bei öffentlichen Veranstaltungen und Feiern vorgesehen.

 


Hargarter Ortswappen
WappenIm Jahre 1988 beschloss der Ortsrat für unseren Gemeindebezirk den Entwurf eines Ortswappens. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des SSV Hargarten im Festzelt auf dem Schulhof erfolgte die offizielle Übergabe der Verleihungsurkunde durch Bürgermeister Franz Kien an Ortsvorsteher Theodor Wilbois. Das Wappen ist in der Fahne integriert.

Die Bedeutung der Symbole im Wappen
Oben links: Steinaxt, Zweispitz und Keile waren Werkzeuge der Steinhauer und Kalkbrenner.
Oben rechts: Die Bourbonische Lilie ist der Hinweis auf die Zugehörigkeit zu Lothringen.
Unten links: Der Krummstab symbolisiert den Abtstab des Klosters Mettlach.
Unten rechts: Die Flachsblüte deutet auf die Silbe „har“im Ortsnamen (mittelhochdeutsch „flachs“) hin.

 


Repräsentationsgeschenke
Vor 25 Jahren  war man im Ortsrat der einhelligen Meinung,Teller Repräsentationsgeschenke mit dem Hargarter Wappenrelief herstellen zu lassen. Und so ließ man folgende Modelle wie Kacheln, Bierseideln,  Karaffen, Blumenvasen und Schnapsflaschen in limitierter Auflage fertigen. Sie wurden der Bevölkerung zum Kauf angeboten und waren auch alle schnell vergriffen. So hatte man Repräsentationsgeschenke für jeden Geschmack.
Christel Kammer, die auch die Anna-Statue über dem Eingang zur Kapelle ehrenamtlich restaurierte, fertigte später das Hargarter Wappen in Form einer Kachel aus Ton an. Ein größeres Modell befindet sich in der Flachsstube.

 

„Feste feiern..." - 26 Jahre Freizeitanlage "Wanderhütte"

Bereits Ende der 1960iger Jahre wurde durch den Ortsverband der Jungen Union unter dem damaligen Vorsitzenden Manfred Zimmer (später Bürgermeister in Mettlach) an gleicher Stelle eine Rundwanderhütte errichtet, die im Oktober 1970 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Später kam ein Versorgungshäuschen hinzu und eine Tanzfläche wurde angelegt. Hier wurde viel gefeiert. Aber im Laufe der Jahre nagte der Zahn der Zeit an der Hütte. Und so beschloss der damalige Ortsrat (Ortsvorsteher Thomas Hellbrück), die Hütte abzureißen und durch eine neue Wanderhütte zu ersetzen.Neubau Im Mai/Juni 1995 wurde dann durch das THW, Ortsgruppe Beckingen, eine neue Schutzhütte gebaut. Auch das Versorgungshäuschen wurde durch Ortsratsmitglieder und ehrenamtliche Helfer aus den Vereinen renoviert, eine Toilettenanlage angebaut, ein Vordach gezimmert, Elektro- und Installationsarbeiten durchgeführt, ein Brunnen gebaut und das Freizeitgelände eingezäunt.
EinweihungAm Sonntag, dem 16. Juli 1995, also kurz vor der Hargarter Anna-Kirmes, wurde die Freizeitanlage „Wanderhütte“ mit einem großen Fest eingeweiht. Pfarrer Roland Senzig sprach die Segensworte. Ortsvorsteher Thomas Hellbrück übergab im Beisein von Landrat Michael Kreiselmeyer, dem Beigeordneten der Gemeinde Beckingen Erhard Seger (später Bürgermeister), dem Vertreter der Hargarter Vereine Theo Neisius und dem ersten Hüttenwart Emil Reiber symbolisch die Schlüssel.
Für die musikalische Unterhaltung der Besucher sorgte der Musikverein Erbringen-Hargarten und der Landfrauenchor des Landfrauenvereins Erbringen-Hargarten. TanzensembleEin rumänisches Folkloreensemble erfreute mit Musik- und Tanzvorführungen die Gäste während der Festveranstaltung.
Nach dem ersten Hüttenwart Emil Reiber übernahmen Matthias Blum, dann Olaf Marx mit Patrick Duckstein und anschließend Karl Graf dieses Amt. Nach dessen Ausscheiden verwaltete Thomas Mosbach, seinerzeit Ortsvorsteher, die Freizeitanlage. Von Zeit zu Zeit wurden die Gebäude mit einem neuen Anstrich versehen und notwendige Unterhaltungsarbeiten vorgenommen. Heute hat die Hargarter Dorfjugend (Ansprechpartner Jakob Wagner) die Aufgaben des Hüttenwartes übernommen.

 

„Schöner wohnen..." - Als Hargarten sein eigenes Neubaugebiet bekam

Vor 40 Jahren
Über 20 Jahre hatten die Hargarter auf die Erschließung eines Neubaugebietes gewartet. Junge Hargarter  wären gerne in ihrem Heimatdorf geblieben und dort ein Eigenheim gebaut. Da dies auf absehbarer Zeit nicht möglich war, wanderten sie in die Nachbardörfer aus, wo sie die Möglichkeit hatten,  ein Wohnhaus zu errichten.  Der damalige Ortsrat mit Ortsvorsteher Theodor Wilbois an der Spitze, konnte 1980 die Schaffung des Neubaugebietes Auf Taubentälchen/Im Weidentälchen bei der Gemeinde erreichen. Es war aber auch höchste Zeit, denn die Bevölkerungszahl ging ständig zurück und betrug im Jahre 1980 nur noch 429 Einwohner.

Neubaugebiet

Unser Foto, aufgenommen vom Turm der St. Johanneskirche,  zeigt das Neubaugebiet in den ersten Jahren der Bauphase.

46 Baustellen wurden geschaffen und nach zügiger Erschließung konnte im Juni 1983 die erste Familie in ihr Eigenheim einziehen. Bis Ende des Jahres kamen noch drei Familien, die in ihr neues Zuhause einzogen, hinzu. Dann ging es Schlag auf Schlag. Im Jahre 1990 waren bereits 70% der Baustellen bebaut oder waren in der Bauphase. Und so stieg die Bevölkerungszahl im Jahre 1990  auf 579  an. Junge Familien (elf aus Hargarten) aus den Nachbardörfern oder der näheren Umgebung erfüllten sich den Wunsch nach einem Eigenheim.  Auch die Grundschule in Hargarten profitierte von dem starken Bevölkerungszuwachs. Zeitweise stieg die Zahl der Schulkinder in der Grundschule, die auch von den Erbringer Kindern besucht wurde, auf über 100 an. Auch der Kindergarten in Erbringen verzeichnete viele Anmeldungen aus dem Hargarter Neubaugebiet. So war es auch nicht verwunderlich, dass in Hargarten im Laufe der nächsten Jahre eine Halle (Weidentalhalle) unter anderem  für den Schul- und Sportbetrieb oder auch den großen Spiel- und Bolzplatz für die stark angewachsene Zahl der Kinder geschaffen wurden.
Die Gemeinde ging neue Wege
bei der Erschließung von Neubaugebieten. Bisher hatten die Grundstückseigentümer ihr Land zur Schaffung von Baustellen in die Erschließung eingebracht. Hatte ein Grundstückseigentümer größere oder mehrere Grundstücke im Erschließungsgebiet, so wurden ihm mehrere Baustellen zugewiesen (gesetzliche Umlegung). Es gab auch keine Bebauungsfrist, so dass sich heute noch viele unbebaute Baugrundstücke in den Neubaugebieten befinden.
Das Hargarter Neubaugebiet, war das erste Baugebiet in der Gemeinde, bei dem ein neues Verfahren beschlossen wurde. Die Grundstückseigentümer mussten ihr Land an die Gemeinde verkaufen, dies war Voraussetzung für die Schaffung eines Neubaugebietes und konnten, wenn sie wollten, eine Baustelle von der Gemeinde erwerben. Die Bebauungsfrist  für die  Landeinbringer betrug zehn Jahre. Für Bauwillige, die kein Land in die Erschließung einbrachten und sich von der Gemeinde eine Baustelle kauften, betrug die Bebauungsfrist drei Jahre. Somit war sichergestellt, dass die Baustellen nach etwa 10 Jahren alle bebaut waren. Auch der Endausbau des Baugebietes konnte dann zeitnah erfolgen.
Dieses familienfreundliche Verfahren ermöglichte es jungen Familien, zu erschwingbaren Preisen eine Baustelle zur Errichtung eines Eigenheimes zu kaufen.

 

Dorfchronik EXTRA: Der Hargarter Kirmesflugplatz "Auf Ellern" - Drama mit Happy End

Es geschah am helllichten Freitag: Wir schreiben den 24. Juli 1975. Ein Sportflugzeug der Fliegerkameradschaft Saarlouis kreist über Hargarten. Konditormeister Karl Julius Putze ist auf Erkundungstour. Der erfahrene Hobby-Pilot will einen ganz besonderen Flugplatz inspizieren. Die Wiese "Auf Ellern" am Waldrand des Merchinger Berges hat dem 48jährigen bereits neun Mal als Landeplatz für den Hargarter 'Kirmesmatz' gedient. Dieser "Pate" der Hargarter Anna-Kirmes wird Ellern-Matzseit 1966 dort stets per Flugzeug abgesetzt. Die luftige Attraktion ist immer größer und bekannter geworden: Alljährlich springen Freifaller mit Fallschirmen ab, weitere Flugzeuge, Motorsegler und sogar eine alte englische Militärmaschine kreisen schon mal am Kirmeswochenende über Hargarten. Das Spektakel lockt Schaulustige aus dem ganzen Saarland an. Entlang der Straße nach Brotdorf ist kein Parkplatz mehr zu finden.

Das Event soll nun auch in diesem Jahr, 1975, stattfinden. Putze, ein bekannter Café-Besitzer aus Roden, will sich versichern, dass der Hargarter Flughafen "empfangsbereit" ist, sprich: dass die Wiese ordnungsgemäß gemäht wurde, um eine sichere Landung zu ermöglichen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen. Plötzlich beginnt der 180 PS starke Motor des französischen Leichtflugzeugs zu stottern. Der Flugzeugführer reagiert schnell und setzt zur Notlandung an. Statt auf der gut vorbereiteten Wiese geht die "Jodel D 140" allerdings auf einem benachbarten Haferstück runter - und zwar ziemlich unsanft. Absturz1Das Flugzeug schmiert seitlich ab und wird stark beschädigt. Sportflieger Putze und seine beiden Begleiter haben Glück. Ihnen ist nichts passiert. Allerdings wollen sie hastig aus dem fünfsitzigen Wrack raus. So hastig, dass Pilot Putze mit dem Kopf heftig ans Kabinendach anstößt und sich eine Platzwunde zuzieht.

Inzwischen hat ein Augenzeuge der Bruchlandung bereits Polizei, Feuerwehr und DRK alarmiert. Der damalige Gemeindewehrführer Herbert Emmel aus Reimsbach erinnert sich: „Zusammen mit Gerätewart Joachim Latwein war ich gleich nach dem Absturz mit dem Tanklöschfahrzeug des Löschbezirks Reimsbach an der Absturzstelle. Zuerst wurde von uns die Batterie des Wracks abgeklemmt, um eine Zündquelle zu verhindern“, berichtet er. Und Helmut Hellbrück, seinerzeit erster Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Hargarten, ergänzt: „Ich wurde durch den Landwirt und Ortsvorsteher Walter Spuller über das Unglück informiert. Wir fuhren beide dort hin. Von mir musste Gott sei Dank nur die Platzwunde des Piloten in 'Erster Hilfe' versorgt werden.“Absturz2

Der Unfall sorgt in diesem Jahr 1975 auch für ein ganz besondere Dienstreise aus Niedersachsen nach Hargarten. "Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamtes aus Braunschweig waren gekommen, um Ermittlungen zur Unfallursache anzustellen“, weiß der zweite Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Herbert Dewes, noch. Wie man erzählt, nutzen die Beamten auch den traditionellen Hargarter Kirmesmontagfrühschoppen ganz intensiv für ihre akribischen Untersuchungen...

Das Flugzeugwrack wird in den frühen Morgenstunden des folgenden Samstags auf einem Traktoranhänger in Begleitung der Feuerwehr in eine Scheune beim Flugplatz Düren gebracht. Es kann nicht mehr repariert werden.

In Erinnerung an den 35. Jahrestag dieses schlagzeilenträchtigen Ereignisses mit glücklichem Ausgang hatte die Hargarter Vereinsgemeinschaft am 18. Juli 2010 zu einem Nostalgiefrühschoppen auf den ehemaligen Kirmesflugplatz "Auf Ellern" eingeladen. Zuvor war die Hargarter Bruchlandung bereits Thema beim Hargarter Faasendumzug gewesen.

Ellern2010

Quellen: Herbert Dewes, SZ-Artikel vom 17./18. Juli 2010: "Bruchlandung ist bis heute unvergessen" von Norbert Becker; Fotos/Repros: H. Lubitz, N.Becker, privat

 

Der „politische Kutschensturz“ vor hundert Jahren

Lokalpolitik anno dazumal
UrhahnHeute ist es vielleicht zum Schmunzeln, seinerzeit jedoch war es im Haustadter Tal eine ernste politische Angelegenheit, die es sogar der Merziger Volkszeitung wert war, hierüber zu berichten:
Man schrieb das Jahr 1921. Die Gemeindeväter (Gemeinderatsmitglieder von Hargarten) waren, mit Ortsbürgermeister Peter Wilbois an der Spitze,  von Bürgermeister André (Leiter der Amtsverwaltung) für Samstag, 20. August, nach Haustadt ins Gasthaus Adam (Urhahn) zur Gemeinderatssitzung geladen worden war. Die Hargarter Wirtschaft Schneider (Wilbois), in der die Sitzungen bisher abgehalten wurden, sagte der Verwaltungsspitze offenkundig nicht mehr zu. Schneider, Inhaber des einzigen Lokals in Hargarten, gehörte nämlich im Gemeinderat der Minderheitspartei an. Zu dem erwähnten Termin, so die Zeitung, war der Gemeinderat mit seiner Mehrheit nicht erschienen und musste daher von Bürgermeister André erneut für eine Woche später nach Haustadt geladen werden. Zu dieser Sitzung waren dann alle Hargarter Gemeinderatsmitglieder, mit Pferdekutschen, angereist.  Da die Anzahl genügte, konnte die Tagesordnung, wenn auch nicht ohne erregte Debatten, abgewickelt werden. Es wurde über die Abgabe von Bausteinen an "Baulustige", wie man sie damals nannte, Erhöhung der Entschädigung für das Ortstelefon (es gab nur eins in Hargarten) und den für die Zukunft festzulegenden Verhandlungsort des Gemeinderates verhandelt und beschlossen.
BM-AndreNach Beendigung der Sitzung nahm der Bürgermeister die beiden Parteien in der Gastwirtschaft Adam "ins Gebet" und wollte somit die Einigkeit, die doch wahrhaftig in dem kleinen Dorf Hargarten notwendig wäre, wiederherstellen. Die Reibung zwischen Mehrheits- und Minderheitspartei, so die Zeitung weiter, die nicht einmal politisch begründet war, sollte nun endlich am Biertisch eine handschriftliche Form (heute sagt man Sitzungsprotokoll) bekommen.
Nachdem einer dem anderen einseitiges und eigennütziges Handeln vorgeworfen hatte, endete schließlich der Wortwechsel in einem regelrechten Handgemenge, wobei einzelne Gemeinderäte derart verletzt wurden, dass ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden musste.
Der Kutschenumsturz
Wie erwähnt, kamen die Gemeinderatsmitglieder mit Pferdekutschen nach Haustadt und stellten ihr Gefährt im Hof des Gasthauses Adam ab. Während der Rauferei im Lokal gingen Vertreter der einen Fraktion (welche ist nicht bekannt) in den Hof und kippten die Kutsche der gegnerischen Fraktion um. Diese Aktion ging seinerzeit fortan als „Kutschensturz“ in die Hargarter Annalen ein.  Sicherlich weltpolitisch nicht ganz so bedeutsam wie der "Prager Fenstersturz", der 1618 den 30jährigen Krieg ausgelöst haben soll. Aber ein kommunal aufregendes Ereignis. Ob und wann anschließend wieder politischer Frieden in Hargarten einkehrte, berichtet die Dorfchronik nicht...
Unsere Fotos: Gasthaus Adam-Urhahn in Haustadt in der damaligen Zeit und Bürgermeister Gerhard André (Quelle: "150 Jahre Amt Beckingen - und die Geschichte der Gemeinden", 1966).

„De Komp“ in der Annastraße

BrunnenhausDie bekannteste Brunnenanlage bestand im Oberdorf unterhalb des alten „Dibo-Hauses“, später Scheune und Stall des Landwirtschaftsbetriebes Remo Maire. Das Gebäude wurde durch den inzwischen verstorbenen Herbert Zimmer restauriert und stellt eine bauliche Bereicherung dar.Komp-frueher Dort war eine überdachte Anlage vorhanden, in der Gelegenheit zum Wäschewaschen mit Bearbeitung durch den „Plauel“ gegeben war, getrennt von einem Rohr, aus welchem Trinkwasser entnommen wurde und dieses wieder getrennt von einem „Komp“ für das Viehtränken. Seit wann diese Brunnenanlage vor dem Dibo-Haus stand, ist nicht bekannt. So oder so ähnlich, wie in der Zeichnung dargestellt, könnte die überdachte Anlage ausgesehen haben. Nach dem ersten Weltkrieg, etwa um 1920, wurde der „Komp“, wie er im Volksmund genannt wird , in der Annastraße weiter nach oben, gegenüber dem „Eschen-Haus“ (heute Wohnhaus Arno Mees) verlegt . Auch dort wurde von den Anwohnerinnen noch die Wäsche gewaschen (Foto rechts), das Vieh wurde hier getränkt und im Sommer planschten die Kinder im kalten Wasser des Brunnes. Mitte der 1960iger Jahre kam er an seinen heutigen Standplatz am Ende der Annastraße. Hier diente er nur noch als Viehtränke.Komp-heute Nachdem er auch hierfür nicht mehr gebraucht wurde, beschloss der damalige Ortsrat (Ortsvorsteher Karl Reichert) das Umfeld der Brunnenanlage neu zu gestalten. Vor 30 Jahren wurde die Bevölkerung aus Anlass der Fertigstellung der Außenanlage durch den Ortsrat zu einem Umtrunk an den „Komp“ eingeladen.

 

 

"Kreuzstrass" - Mittelpunkt im Oberdorf

Vor 30 Jahren wurde die Dorflinde, die heute im Bereich der „Kreuzstrass“ steht, durch den Obst- und Gartenbauverein, die Landfrauen und den Ortsrat (OV Karl Reichert) gepflanzt.

Hier sprudelte Jahrzehnte der Jakob-Brunnen, der den Mittelpunkt im Oberdorf bildete.

Jakobsbrunnen

Auf Initiative des damaligen Hargarter Bürgermeisters Jakob Göttert wurde an Kirmesmontag im Jahre 1964, nach der heiligen Anna-Messe, dieser Brunnen durch Pfarrer Schmidt im Beisein  vieler Gäste aus der Politik und der Bevölkerung, eingeweiht. Der Brunnen wurde dem Hl. Jakobus geweiht und führte fortan den Namen „Jakob-Brunnen“.

Vor 30 Jahren wurde die Dorflinde, die heute im Bereich der „Kreuzstrass“ steht, durch den Obst- und Gartenbauverein, die Landfrauen und den Ortsrat (OV Karl Reichert) gepflanzt.


Nachdem im Sommer 1990 ein neuer, anders gestalteter Jakob-Brunnen am Standort des alten Feuerwehrgerätehauses aufgestellt wurde, „rettete“ Franz-Josef Wagner, ein Enkel des damaligen Bürgermeisters, den alten Brunnen vor der Zerstörung und richtete ihn in seinem Garten wieder auf. Heimat- und Kulturverein, Familie Wagner und Landgasthaus Wilbois (Wirtin Nora) luden die Bevölkerung 2008 in den Garten zu einem „Nostalgiefrühschoppen“ ein, an dem viele Besucher, unter ihnen auch die Theatergruppe der Frauengemeinschaft, teilnahmen.



„Neuer Jakobsbrunnen wurde vor 30 Jahren eingeweiht“


Das alte Feuerwehrgerätehaus, erbaut 1954, wurde  auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses,  nach vorangegangenen politischen Kontroversen, abgerissen.
Nach einem Vorschlag des damaligen Ortsvorstehers Theodor Wilbois und einem Beschluss des Ortsrates vom November 1988 sollte der  Jakobsbrunnen auf den frei gewordenen Platz des alten Feuerwehrgerätehauses verlegt werden.


Nach einem Jahr Bauzeit wurde die Fertigstellung des Brunnenplatzes im Mai 1990 unter großer Teilnahme der Bevölkerung gefeiert. Die SZ war seinerzeit in Jubelstimmung: „Wetter, wie bei Kaisers Geburtstag, Blasmusik (MV Erbringen-Hargarten), Landfrauenchor, Offizielle und „viel Volk“, das alles gab den festlichen Rahmen für die Einweihung des neuen Brunnenplatzes in Hargarten“.


„Früher waren die Brunnen lebensnotwendig für Mensch und Tier, heute vermitteln sie Lebensqualität“,  so der damalige Bürgermeister Franz Kien. Auch Pfarrer Roland Senzig, der den Brunnen segnete und Ortsvorsteher Karl Reichert,  der das Werk seines Vorgängers  engagiert  bis zur Fertigstellung begleitete,  gingen auf diese Aspekte ein.
Steinmetz Glöckner aus Neunkirchen fügte das Hargarter Wappen in die Stützmauer und in Anspielung auf den Hargarter Schnaps „Südhanglage“ meißelte er Obstsymbole  in die Steine.


Der Brunnenplatz wurde sodann der Bevölkerung zur Erholung und zum  Verweilen übergeben.


Ortskernsanierung ab 2003

Mit dem ersten Bauabschnitt der Neugestaltung Hargarter Strasse/ Annastrasse wird der Grundstein für die Erhaltung alter Bausubstanz auf privater Ebene gelegt. Auch das ist eine der Aufgaben und Ziele des Heimat- und Kulturvereins.

Lang hats gedauert. Im Sommer 2004 ist der erste Bauabschnitt endlich fertig geworden. Ursprünglich waren für die Ausbauarbeiten, die zum 1. Dezember 2003 mit längerer Verzögerung begonnen hatten, 40 Arbeitstage veranschlagt worden. Die offizielle Einweihung fand am Samstag, 07. Mai 2005 statt: Gut' Ding braucht Weile! Die Dorferneuerung bedeutet eine deutliche Aufwertung des alten Dorfkerns.  

 

 

 
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